Sorry, aber der Bericht ist fast so lang wie der Lauf selber....
Am 9.12.2006 lies ich mich auf mein bisher größtes Laufabenteuer ein und das, obwohl (oder gerade weil) ich schon 17 Marathons insgesamt gelaufen bin. Aber diesmal sollte es etwas ganz besonderes, etwas ganz extremes sein, nämlich der Untertage-Marathon in Sondershausen.
Da die Anzahl der Starter auf 350 limitiert ist, sichert hier also eine zeitige Anmeldung auch den Startplatz, meine Anmeldung erfolgte im April. Ausgeschrieben ist der Lauf als der härteste Marathon Deutschlands und obwohl ich natürlich noch nicht alle gelaufen bin muss ich zustimmen, für mich war es der definitiv härteste Lauf überhaupt.
Gelaufen wird in 700 Meter unter der Erde bei Temperaturen von 25-27 °C, einer konstanten Luftfeuchtigkeit von 30 % und einem Höhenunterschied pro Runde (eine Runde entspricht 10,5 km) von 310 m.
Natürlich fragte ich mich im Vorfeld, was wohl das größte Problem für mich sein wird.
Die relativ hohe Temperatur, da ich ja eher ein ?Frühlingsläufer? bin?
Die niedrige Luftfeuchtigkeit, da ich eher leichten Niesel mag?
Oder der Helm auf dem Kopf (Pflicht!), wo ich doch sonst nur selten etwas auf dem Haupt trage?
Obwohl ich eigentlich den dritten Punkt als schwerwiegendsten ansah, kam es doch ganz anders.
Aber schön der Reihe nach:
Start sollte 10.00 Uhr sein, die Ausgabe der Startunterlagen erfolgte ab 8.00 Uhr. Obwohl wir (meine Frau war als moralische Stütze und Ein-Frau-Fangruppe aktiv) ca. 15 Minuten nach Öffnung des Meldebüros anwesend waren, gab es eine lange Schlange und ich fühlte mich in die Zeiten der sozialistischen Wartegemeinschaften zurückversetzt. Nach einer knappen Dreiviertelstunde hatte ich meine Unterlagen und meine Frau ihre Eintrittskarte (10 Euro). Am Start unter Tage war ich dann aber erst 15 Minuten vor Ultimo, solange mussten wir erneut am Lift stehen und das bei mehr als unangenehmen Temperaturen.
An der Startnummer angebracht war ein Chip für die Zeitnahme und mit einer leichten Verspätung ging es dann auf die Strecke, die aus 4 Runden a 10,5 km besteht.
Ich hatte mir einen verhaltenen Beginn verordnet, um erst mal die Gegebenheiten kennen zu lernen. Nur wenige hundert Meter nach dem Start ging es lange und steil bergauf und das größte Problem wurde schon sichtbar, das sehr extreme Profil und der ebenso extreme Untergrund. Da, wo Salz auf dem Boden lag, da lief es sich wie im Sand. Aber dort, wo das fehlte, da war es höllisch glatt und die Sturzgefahr war sehr hoch. Nach 2 km wurde es dann ebener und nach 2,5 km gab es den ersten Verpflegungspunkt. Ich habe noch nie bei einem Marathon so zeitig so sehr geschwitzt und noch nie so zeitig getrunken. Dann ging es ebenso steil wieder nach unten, ein Freilaufen war aber völlig unmöglich, dazu war es zu steil, zu rutschig und teilweise auch zu dunkel. Es gab Abschnitte auf der Strecke, wo man nicht sehen konnte, wie der Untergrund aussieht. Es gab immer wieder leichte und dann einen schweren Anstieg, der nur im Gehen zu bewältigen war. So wurde schließlich Versorgungspunkt 2 nach 5 km erreicht. Aber danach wurde es erst so richtig hammerhart, der schlimmste aller Anstiege reichte fast bis zur Station 7,5. Dann endlich mal nur leichtes Profil und man konnte tatsächlich mal laufen bis in den Zielbereich.
Die ersten beiden Runden gingen mit jeweils 1:10 über die Bühne und so blieb ich deutlich unter der Karenzzeit von 2:45 (wer bis dahin nicht 2 Runden geschafft hatte, wurde aus dem Rennen genommen). In der dritten Runde wurden die Abschnitte, in denen gegangen wurde, schon deutlich länger und die Rundenzeiten erhielt einen Aufschlag von 5 Minuten. Wäre zum Schluss der Runde nicht der ?leichte? Abschnitt gekommen, ich hätte sofort aufgehört, aber so ging ich halt doch in die 4. und letzte Runde. An den Anstiegen war ich klinisch tot, die Beine waren bleischwer und brannten wie Feuer, ich musste auch teilweise auf halber Höhe pausieren. Anderen ging es noch schlimmer, indem sie ihren Mageninhalt am Streckenrand verteilten. Irgendwie war aber auch die letzte Runde geschafft und das Ziel erreicht. Die Endzeit lag knapp über 5 Stunden, direkt beim Zieleinlauf bekam jeder einen Zettel mit vorläufiger Platzierung, Endzeit und Rundenzeiten. Man konnte sich eine Urkunde besorgen und seine Medaille gravieren lassen.
Aber ich wollte nur noch hoch und unter die Dusche. Und die gab es tatsächlich, natürlich über Tage und herrlich warm.
Unmittelbar nach dem Lauf habe ich gesagt, nie wieder, heute sehe ich das nicht mehr ganz so schlimm, obwohl ich keine ?Rechnung offen? habe.
Ach ja, es gab auch Aussteiger nach der ersten Runde und wer nach der zweiten oder dritten Runde ausgestiegen ist, der kam in eine Sonderwertung, fand ich auch sehr schön.
Vielleicht noch zu den Zahlen:
- 53 Läufer schafften den Halbmarathon
- 15 Läufer absolvierten den ¾-Marathon
- 288 Finisher gab es auf der ganzen Distanz
- Siegerzeit war eine 3:10 (nur eine Minute über Streckenrekord!)