Betreff:
Debüt beim Hamburger Marathon 2010
[27.04.2010 08:09:44]
8:40 und nun stehe ich im Startblock E mit Zielzeit 3:30 Stunden. Auf der Stelle springend, Schuhe nochmals schnüren und die umliegenden Mitstreiter beobachtend verstreicht die Zeit. Kurz vor dem Start ertönt die Nationalhymne. So patriotisch habe ich es nicht erwartet, aber zu meiner emotionalen Stimmung, welche sich in den letzten Minuten beim Rückblick auf den 10-Wochen-TP eingestellt hat, passt dies.
9:01 und wir kommen langsam ins gehen traben und schließlich laufen. Die Reeperbahn habe ich schon oft voll erlebt, aber das Ereignis setzt noch einen drauf. Die ersten 7 Kilometer geht es fast nur nach vorgegebenen Tempo, überholen bietet sich fast nie an. Aber da ich nach langem hin und her mich bei meinem Debüt für ein verhaltenes Angehen entschieden habe, passt mir dies ganz gut. Das nette Mädel im Startblock neben mir stellt sich als perfekte Begleiterin für die ersten 10 Kilometer heraus.
Bei km 5 die erste Wasserstelle. Diese lass ich noch rechts liegen. Am Kilometer 10 steht wie verabredet meine Familie. Plötzlich kann ich die Gefühle kurz nicht mehr kontrollieren und frage mich nur, warum über diese Nebenwirkungen mich keiner im Vorfeld aufgeklärt hat.
An den Landungsbrücken dann Gänsehaut pur. Rechts und Links stehen Massen und die Läufer komplett durchzieht ein Ruck und es wird schneller.
Im Wallringtunnel feiern wir Läufer uns dann selbst. Es wird geklatscht gepfiffen und ein einsamer Hertha-Fan versucht mit einem Fangesang seine Jungs noch zum Klassenerhalt zu treiben. Aber wenn Fußballfans diesen Tag dominieren, dann sind es die St. Pauli-Fans. Nach dem 6:1 gegen Koblenz ist die Freude so groß, dass wir Läufer diese auch heute noch wahrnehmen können.
Das Feld zieht sich mehr auseinander und ich kann die Strecke genießen. Binnen-, Außenalster und dann schon km 20. Hier stehen wie verabredet Freunde mit Gel und Getränk. Kurz abgeklatscht geht es kurze Zeit später auf die zweite Hälfte. Ab jetzt will ich es laufen lassen und bis auf ein Ziehen in der linken Wade spricht auch nichts dagegen.
Ich wurde gewarnt vor City Nord. Da würde die Sonne erbarmungslos zuschlagen und die Zuschauer sind sehr dünn gesät. Aber die Zuschauer reißen aus meiner Sicht nicht ab. Ungewohnt warm ist es zwar schon seit einiger Zeit, aber die Wasserstände kommen kontinuierlich und kühlen ab. Etwa ab Kilometer 30 kommen dann noch privat organisierte Verpflegungsstände hinzu. Da steht von Kind bis Großmutter die ganze Familie an der Strecke und reicht einem Wasser. Super! Die Begeisterung der Zuschauer trägt mich und längt mich ab vom eigenen Befinden.
Die Wand bei Kilometer 37 lasse ich links liegen, aber bei Kilometer 38 stellt sich langsam ein Gefühl ein, dass ich mal austreten könnte. Ich ignoriere es und finde einen Läufer, welcher mit mir weiter das Feld rockt. Nur frage ich mich, wer hier wen zieht. Bei 39 merke ich, es wird nichts mit gemeinsam bis zum Ziel. Nur noch bis km 40 eine gute Zeit schaffen, denn da wird die Zwischenzeit nochmals per SMS an die Freunde verteilt und danach entscheide ich spontan.
Km 40. ENDLICH! Gehe ich nun spazieren und mache einmal etwas anderes als die letzten drei Stunden am Stück zu laufen? Ich kann mir die Frage nicht beantworten, da plötzlich mein Sohn aus den Zuschauern auftaucht und neben mir her läuft. Mit seinen 9 Jahren treibt er mich echt an. Ich versuche nicht abreißen zu lassen und mit diesem Impuls laufen dann die nächsten Meter auch von selbst. Ab km 41 ist das Ziel zu erahnen und ein Lächeln stellt sich ein. Dieses bleibt gefühlt bis einschließlich heute erhalten und ich bin nur noch glücklich. Mit erhobenen Händen geht es durchs Ziel. Im Anschluss bekomme ich rechtzeitig beim Eintreten leichter Krämpfe eine freie Massageliege. Neben mir liegt ein Hohburger, welchen ich aufgrund seines einzigartigen Shirts vom Muldentaler Städtelauf 2009 sofort erkennen konnte.
Wenn Hamburg sicher kein günstiges Pflaster ist, aber die Strecke, die Zuschauerstimmung und auch die Massage waren es wert und sicher werde ich einmal wieder kommen. Die Freude am Laufen wurde in Hamburg jedenfalls gestärkt.
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